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DAS MÄDCHENGYMNASIUM IN AACHEN

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Der Weg zur Ganztagsschule

Vorgeschichte: Kritik an G8

Sommer 2013: Die Kritik an G8 – am Abitur nach 8 Jahren Gymnasialzeit in NRW – nimmt nicht ab. Die Schülerinnen fühlen sich überlastet, die Eltern klagen und auch viele Lehrkräfte. Lange, bevor in Düsseldorf im Schulministerium zum Runden Tisch eingeladen wird, läuft die Schulentwicklungsplanung in St. Ursula: „Wie können unsere Schülerinnen wirksam entlastet werden?“ fragt der neue Direktor, Patrick Biemans kurz nach Amtsantritt in seine erweiterte Schulleitungsrunde. Ein interessanter Prozess, an dem die ganze Schulgemeinschaft beteiligt ist, nimmt hier seinen Anfang - vorläufiger Endpunkt:  Im August 2015 geht „3plus2“ an den Start. Aber von Anfang an, denn dazwischen liegen viele gemeinsame Sitzungen, Arbeitsgruppentreffen, Diskussionsrunden, Präsentationen u.a..

Was bedeutet „3plus2“?

"3plus2" ist ein Unterrichtskonzept in gebundener Ganztagsform. Das Lernen wird weitgehend in der Schule stattfinden. Für die ganze Sekundarstufe I (Klasse 5-9) wird ein verlässlicher Zeitrahmen geschaffen, den das Logo (s. o.) symbolisiert: Drei "langen Tagen" mit Unterricht bis 15.20 Uhr stehen 2 "kurze Tage" mit Unterricht bis 13.00 Uhr gegenüber, die bei Bedarf durch AG-Angebote erweitert werden können.

Lernzeiten statt Hausaufgaben

Die Hausaufgaben im herkömmlichen Sinne werden durch Lernzeiten ersetzt. Diese sind an vier Unterrichtstagen in den Vormittag integriert und ermöglichen Übung und Vertiefung nach einem abgestimmten System von Pflicht- und Wahlaufgaben, die den Unterricht ergänzen. Für Fragen steht eine Fachlehrkraft bereit. Auch wird die Eigenverantwortlichkeit der Schülerinnen gefordert und gefördert. Sie tragen sich für die jeweiligen Lernzeiten ein, führen ein Studienbuch und Lernzeitmappen mit den Arbeitsmaterialien. Diese Aufgaben fließen z.T. in den Unterricht der nächsten Woche ein, z. T. werden sie selbst kontrolliert und nach einem etwas längeren Lernabschnitt ausgewertet.

Zu Hause müssen unsere „3plus2“-Schülerinnen noch Vokabeln lernen, Flöte üben, Klassenarbeiten und ggf. ein Referat vorbereiten. Wenn die Eltern den Lernweg ihrer Tochter begleiten und Einblick nehmen möchten, können die Lernzeitmappen z. B. am Wochenende mit nach Hause genommen werden. Das Studienbuch ersetzt den Hausaufgabenplaner und ist ein täglicher Begleiter. Es besteht Grund zu der Annahme, dass die Lernzeiten auch zu einer Entspannung dieses häuslichen Austauschs beitragen können.

Rhythmisierung, Pausen- und AG-Konzept

Verbunden ist „3plus2“ mit neuer Unterrichts-Rhythmisierung, die neben einer verlängerten Mittagspause von 45 Minuten auch zwei Frühstückspausen von je 15 Minuten vorsieht. Für das Mittagessen steht das Angebot des Mittagstischs in zwei Essenszeiten zur Verfügung; außerdem haben Schülerinnen verschiedene Möglichkeiten, die Pause zu gestalten: Sporthelferinnen unterstützen Sport- und Bewegungsangebote; eine Tealounge, die Unterstufenbibliothek u.a. stehen den Schülerinnen zur Verfügung. Am AG-Tag (Dienstag) wird ein breites Spektrum aus Arbeitsgemeinschaften gebündelt angeboten. Daneben gibt es weiterhin zahlreiche bestehende Angebote wie das Orchester, das Kindermusical, Musicality u.a..

Schulentwicklungsprozess und Antrag

Das Konzept wird in verschiedenen Arbeitsgruppen erarbeitet, in einem Pädagogischen Tag im Schuljahr 2013/14 differenziert, in allen Gremien (z. T. auch kontrovers) diskutiert, modifiziert und schließlich der Schulgemeinschaft präsentiert. Alle Überlegungen fließen in einen schriftlichen Antrag ein, der das Gesamtkonzept zusammenfasst.

Dieser Antrag wird (geheim!) zur Abstimmung gestellt. Nach breiter Zustimmung in der Lehrerkonferenz verabschiedet die Schulkonferenz „3plus2“ einstimmig. Der Schulträger kann den Antrag fristgerecht im Herbst 2014 an die Bezirksregierung stellen. Auch die Tatsache, dass inzwischen das Schulministerium unter dem Druck von Eltern und Öffentlichkeit zu Änderungen an G8 bereit ist und einen sog. Runden Tisch einberufen hat, ändert an unserer entschlossenen Haltung nichts. Im Gegenteil: Die (vorläufigen) Ergebnisse dieses Runden Tischs bestätigen und bestärken unseren eingeschlagenen Weg.

Eine Delegation des Schulträgers erläutert in der Bezirksregierung den zuständigen Beamten das Konzept und auch die besondere Situation der Schule. Nach einigen Wochen des Wartens ist es Anfang Februar 2015 dann endlich soweit: Die amtliche Genehmigung wird erteilt. St. Ursula wird ab dem Schuljahr 2014/15 mit dem Konzept „3plus2“, beginnend mit Klasse 5, zur gebundenen Ganztagsschule. Randnotiz: Die Bezirksregierung lädt Herrn Biemans ein, diesen Schulentwicklungsweg im Rahmen einer Informationsveranstaltung als Vorbild für künftige Ganztagsschulen zu präsentieren.

Anmeldung zum Schuljahr 2015/16

Den interessierten Eltern und Schülerinnen der verschiedenen Grundschulen präsentiert sich St. Ursula mit „3plus2“ beim Mädchenaktionstag, beim Informationsabend und beim Tag der Offenen Tür bereits mit dem neuen Konzept. Zwar liegt die offizielle Genehmigung der Bezirksregierung Köln noch nicht vor, doch man stößt auf breites Interesse und überwiegende Zustimmung. Die in der Folge deutliche Steigerung der Anmeldezahlen bestätigt die hohe Akzeptanz in der Elternschaft.

Startvorbereitungen

Die verschiedenen Arbeitsgruppen arbeiten ihre Konzepte soweit aus, dass sie ab August 2015 realisiert werden können. In der Arbeitsgruppe „Lernzeiten“ wird unter Leitung von Frau Seckler z. B. neben der Druckvorlage für das Studienbuch an den Lernzeitmappen sowie an der konkreten Einrichtung der künftigen 5. Klassen gearbeitet. Der Pädagogische Tag im Schuljahr 2015 steht ebenfalls unter dem Motto „Ein gelungener Start in „3plus2“. Der pädagogische Schwerpunkt liegt dabei auf der Binnendifferenzierung, die für die weitere Unterrichtsentwicklung wichtig wird.

Ausblick

Nach fast zwei Jahren intensiver Arbeit an Konzepten und Umsetzung freuen wir uns, dass der beschrittene Weg bisher so erfolgreich war. Die Bewährungsprobe steht zwar noch aus, doch sind die Startbedingungen für das Schuljahr 2015/16 räumlich, personell und konzeptionell gut. Natürlich braucht jede Änderung im Schulkonzept eine gewisse Anlaufphase, in der es z. T. auch zu Störungen und Problemen kommen kann. Die Erfahrungen werden in den Arbeitsgruppen zeitnah ausgewertet und nach Abschluss der Einführungsphase ggf. auch zu Anpassungen führen.

Wir wünschen unseren neuen Schülerinnen, ihren Eltern und allen beteiligten Lehrkräften einen guten Start in „3plus2“.

Martin Ebner